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Erarbeitung

Zur Orientierung

Ziel der folgenden Abschnitte ist es, das Vorgehen zur Bestimmung von Eigenvektoren verallgemeinernd zu beschreiben.

Die Eigenvektorgleichung umformen

Ein Vektor v0 ist ein Eigenvektor von A genau dann, wenn es einen reelle Zahl λ gibt, so dass folgende Eigenvektorgleichung erfüllt ist:

Av=λv

Aufgabe 1

Betrachte eine beliebige 2×2-Matrix A mit A=(abcd). Erläutere die folgenden Umformungsschritte der Eigenvektorgleichung.

Umformung der EigenvektorgleichungErläuterungen
(abcd)A(v1v2)v=λ(v1v2)v Eigenvektorgleichung
(abcd)A(v1v2)v=λ(1001)E(v1v2)v ...
(abcd)A(v1v2)vλ(1001)E(v1v2)v=(00)0 ...
[(abcd)Aλ(1001)E](v1v2)v=(00)0 ...
(aλbcdλ)AλE(v1v2)v=(00)0 ...
[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 ...

Aufgabe 2

Begründe: Die Umformungsschritte in Aufgabe 1 gelten nicht nur für beliebige 2×2-Matrizen A. Es gilt folgender Zusammenhang für beliebige quadratische Matrizen.

Eigenvektorbedingung

Für eine beliebige quadratische Matrix A gilt: Ein Vektor v0 ist ein Eigenvektor von A genau dann, wenn es einen reelle Zahl λ gibt, so dass die folgende Bedingung (mit der zu A passenden Einheitsmatrix E) erfüllt ist:

(AλE)v=0

Das LGS zur Eigenwertgleichung umformen

Das LGS zur Eigenvektorgleichung kann man für eine beliebige 2×2-Matrix genauso in Stufenform transformieren wie im Beispielfall. Für einige Umformungsschritte muss man allerdings weitere Voraussetzungen treffen.

Umformungen unter der Voraussetzung c0 und aλUmformungen unter der Voraussetzung b0 und dλ
[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 [1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0
[1][1]c Vor.: c0 [2][2]b Vor.: b0
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 [1](aλ)v1+bv2=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0
[2][2](aλ) Vor.: (aλ)0 [1][1](dλ) Vor.: (dλ)0
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2]c(aλ)v1+(aλ)(dλ)v2=0 [1](aλ)(dλ)v1+b(dλ)v2=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0
[2][2]+(1)[1] [1][1]+(1)[2]
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2][(aλ)(dλ)bc]v2=0 [1][(aλ)(dλ)bc]v1=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0

Damit das LGS Lösungen mit v0 hat (bzw. damit A Eigenvektoren hat), muss die Bedingung (aλ)(dλ)bc=0 erfüllt sein. Das sieht man nicht direkt. Um das nachzuweisen, muss man eine ganze Reihe von Fällen durchspielen. Das wird in der folgenden Aufgabe geleistet.

Aufgabe 3

Die folgenden Aussagen kann man alle mit der Voraussetzung v0 begründen. Begründe exemplarisch die Aussage in (a). Wenn du fit bist, dann begründe alle Aussagen.

(a) Wenn c0 und aλ gilt, dann muss (aλ)(dλ)bc=0 gelten.

Tipp
Gehe indirekt vor: Was wäre, wenn (aλ)(dλ)bc0 gelten würde?

(b) Wenn b0 und dλ gilt, dann muss (aλ)(dλ)bc=0 gelten.

Tipp
Gehe indirekt vor: Was wäre, wenn (aλ)(dλ)bc0 gelten würde?

(c) Wenn a=λ (oder d=λ) gilt, dann muss bc=0 und folglich (aλ)(dλ)bc=0 gelten.

Tipp
Beginne so: Wenn a=λ gilt, dann muss bv2=0 gelten. ...

(d) Wenn c=0 (oder b=0) gilt, dann muss a=λ oder d=λ und folglich (aλ)(dλ)bc=0 gelten.

Tipp
Beginne so: Wenn c= gilt, dann muss (dλ)v2=0 gelten. ...

Eine Eigenwertbedingung verwenden

Die vorangehenden Überlegungen zeigen, dass die Eigenwerte einer Matrix die Gleichung (aλ)(dλ)bc=0 erfüllen müssen.

Eigenwertbedingung

Für eine beliebige 2×2-Matrix A=(abcd) gilt: Die Eigenwerte von A sind die Lösungen der folgenden Gleichung:

(aλ)(dλ)bc=0

Diese Gleichung nennt man auch charakteristischen Gleichung.

Aufgabe 4

Im Kapitel Inverse 2x2-Matrizen wurde die Determinate einer 2×2-Matrix eingeführt:

Unter der Determinate einer 2×2-Matrix A=(abcd) versteht man den Ausdruck det(A)=adbc.

Begründe: Die Eigenwertbedingung kann man aus so formulieren:

Eigenwertbedingung

Für eine beliebige 2×2-Matrix A=(abcd) gilt: Die Eigenwerte von A sind die Lösungen der folgenden Gleichung:

det(AλE)=0

Eigenvektoren mit Hilfe von Eigenwerten bestimmen

Ist λ ein Eigenwert von A, so erhält man die zugehörigen Eigenvektoren durch Auflösen der Eigenvektorgleichung nach den Variablen v1 und v2.

Für eine 2×2-Matrix A=(abcd) muss man das folgende LGS nach den Variablen v1 und v2 auflösen.

[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0

In der Übersicht sind die möglichen Fälle für eine 2×2-Matrix A=(abcd) aufgelistet.

BedingungAuflösung nach einer VariablenEigenvektoren
aλ [1]v1=baλv2
Einsetzen von v1 in [2] liefert 0=0
v=r(baλ1) mit r0
dλ [2]v2=cdλv1
Einsetzen von v2 in [1] liefert 0=0
v=r(1cdλ) mit r0
c0 [1]v1=dλcv2
Einsetzen von v1 in [2] liefert 0=0
v=r(dλc1) mit r0
b0 [2]v2=aλbv1
Einsetzen von v2 in [1] liefert 0=0
v=r(1aλb) mit r0
a=λ und b=0 und c=0 v=r(10) mit r0
d=λ und b=0 und c=0 v=r(01) mit r0

Aufgabe 5

Begründe diese Lösungen. Begründe auch, dass es keine weiteren Fälle geben kann.

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