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Zusammenfassung - Bestimmung von Eigenvektoren

Zur Orientierung

Ziel ist es hier, ein Verfahren zur Bestimmung von Eigenvektoren zu entwickeln.

Ein Vektor v0 ist ein Eigenvektor einer quadratischen Matrix A genau dann, wenn es einen reelle Zahl λ gibt, so dass folgende Eigenvektorgleichung erfüllt ist:

Av=λv

Wir verdeutlichen das Vorgehen zur Bestimmung von Eigenvektoren anhand von 2×2-Matrizen. Wir betrachten daher folgende Problemsituation:

Geg.:
Matrix A=(abcd)

Ges.:
Eigenvektoren der Matrix A

Beachte, dass sich ein Großteil der Überlegungen zur Bestimmung der Eigenvektoren für 2×2-Matrizen direkt auf beliebige quadratische Matrizen übertragen lässt.

Umformung der Eigenvektorgleichung

Ausgangspunkt sämtlicher Überlegungen zur Bestimmung von Eigenvektoren ist die Eigenvektorgleichung:

Av=λv

Die folgende Übersicht zeigt, wie man diese Eigenvektorgleichung auch anders formulieren und in ein System aus Koordinatengleichungen überführen kann.

Umformung der EigenvektorgleichungErläuterungen
(abcd)A(v1v2)v=λ(v1v2)v So sind Eigenvektoren festgelegt.
(abcd)A(v1v2)v=λ(1001)E(v1v2)v Die Eiheitsmatrix verändert bei der Multiplikation mit einem Vektor diesen Vektoren nicht.
(abcd)A(v1v2)vλ(1001)E(v1v2)v=(00)0 Auf beiden Seiten der Gleichung wird der λ-Ausdruck subtrahiert.
[(abcd)Aλ(1001)E](v1v2)v=(00)0 Der Vektor v wird ausgeklammert. Das ist erlaubt, da das Distributivgesetz für die Multiplikation von Matrizen / Vektoren gilt.
(aλbcdλ)AλE(v1v2)v=(00)0 Die Rechnungen in den eckigen Klammern werden ausgeführt.
[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 Die Matrixschreibweise wird in eine Gleichungsschreibweise umgewandet.

Beachte: Die Umformungsschritte in der Übersicht gelten nicht nur für beliebige 2×2-Matrizen A. Es gilt folgender Zusammenhang für beliebige quadratische Matrizen.

Eigenvektorbedingung

Für eine beliebige quadratische Matrix A gilt: Ein Vektor v0 ist ein Eigenvektor von A genau dann, wenn es einen reelle Zahl λ gibt, so dass die folgende Bedingung (mit der zu A passenden Einheitsmatrix E) erfüllt ist:

(AλE)v=0

Herleitung einer Eigenwertgleichung – am Beipiel

Die Schritte zur Herleitung einer Eigenwertgleichung sind für beliebige 2×2-Matrizen mit vielen Fallunterscheidungen verbunden. Wir betrachten daher zuerst eine konkrete 2×2-Matrix A=(1243). Für diese Matrix erhält man folgende Eigenvektorgleichung in Koordinatenform:

[1](1λ)v1+2v2=0[2]4v1+(3λ)v2=0

Für die weiteren Überlegungen ist die Voraussetzung wichtig, dass ein Eigenvektor kein Nullvektor ist. Wenn v0, dann folgt hieraus, dass im vorliegenden Beispiel λ1 und λ3 gelten muss. Das sieht man, indem man indirekt schließt: Wenn λ=1 gelten würde, dann müsste v2=0 gelten, um Gleichung [1] zu erfüllen. Um auch noch Gleichung [2] zu erfüllen, müsste dann auch noch v1=0 gelten. Hieraus würde dann v=0 folgen. Entsprechend kann man für λ=3 argumentieren.

Also: Im vorliegenden Beispiel gilt für Eigenvektoren die Voraussetzung λ1 und λ3.

Das LGS zur Eigenvektorgleichung wird jetzt mit Hilfe von Äquivalenzumformungen in Stufenform transformiert.

vorgegebenes LGS [1](1λ)v1+2v2=0[2]4v1+(3λ)v2=0
Äquivalenzumformung [1][1]4
transformiertes LGS [1]4(1λ)v1+24v2=0[2]4v1+(3λ)v2=0
Äquivalenzumformung [2][2](1λ) beachte: (1λ)0
transformiertes LGS [1]4(1λ)v1+24v2=0[2]4(1λ)v1+(1λ)(3λ)v2=0
Äquivalenzumformung [2][2]+(1)[1]
transformiertes LGS [1]4(1λ)v1+24v2=0[2][(1λ)(3λ)24]v2=0

Damit es Eigenvektoren v0 gibt, muss die folgende Eigenwertgleichung erfüllt sein:

(1λ)(3λ)24=0

Um das einzusehen, kann man wieder indirekt argumentieren: Wenn (1λ)(3λ)240 gelten würde, dann müsste v2=0 gelten, um Gleichung [2] zu erfüllen. Da λ1, müsste dann auch v1=0 gelten, um Gleichung [1] zu erfüllen. Hieraus würde dann v=0 folgen.

Die Eigenwertgleichung lässt sich jetzt nach der Variablen λ lösen. Es gilt:

(1λ)(3λ)24=λ24λ5=(λ+1)(λ5)

Also:

(1λ)(3λ)24=0 genau dann, wenn λ=1 oder λ=5.

Mit der Eigenwertgleichung erhält man somit die Eigenwerte λ=1 bzw. λ=5 zur Matrix A=(1243).

Herleitung einer Eigenwertgleichung – für beliebige 2×2-Matrizen

Im Fall beliebiger 2×2-Matrizen geht man analog zum Beispiel oben vor. Im allgemeinen Fall muss man für einige Umformungsschritte allerdings weitere Voraussetzungen treffen.

Fall 1:
Voraussetzung: c0 und aλ.
Fall 1:
Voraussetzung: b0 und dλ
[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 [1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0
[1][1]c Vor.: c0 [2][2]b Vor.: b0
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0 [1](aλ)v1+bv2=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0
[2][2](aλ) Vor.: (aλ)0 [1][1](dλ) Vor.: (dλ)0
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2]c(aλ)v1+(aλ)(dλ)v2=0 [1](aλ)(dλ)v1+b(dλ)v2=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0
[2][2]+(1)[1] [1][1]+(1)[2]
[1]c(aλ)v1+bcv2=0[2][(aλ)(dλ)bc]v2=0 [1][(aλ)(dλ)bc]v1=0[2]bcv1+b(dλ)v2=0

Damit A Eigenvektoren mit v0 hat, muss die Bedingung (aλ)(dλ)bc=0 erfüllt sein. Um das nachzuweisen, muss man eine ganze Reihe von Fällen durchspielen.

Fall 1: c0 und aλ
Wenn (aλ)(dλ)bc0 gelten würde, dann müsste v2=0 gelten, um Gleichung [2] zu erfüllen. Da λa, müsste dann auch v1=0 gelten, um Gleichung [1] zu erfüllen. Hieraus würde dann v=0 folgen.
Fall 2: b0 und dλ
Wenn (aλ)(dλ)bc0 gelten würde, dann müsste v1=0 gelten, um Gleichung [1] zu erfüllen. Da λd, müsste dann auch v2=0 gelten, um Gleichung [2] zu erfüllen. Hieraus würde dann v=0 folgen.
Fall 3: a=λ
Wenn a=λ gilt, dann muss bv2=0 gelten, um Gleichung [1] (im Ausgangs-LGS) zu erfüllen. Folglich muss b=0 oder v2=0 gelten. Wenn v2=0 zutrifft, dann muss auch cv1=0 gelten. Da im Fall v2=0 nicht auch v1=0 gelten kann, muss also c=0 gelten. Insgesamt erhält man für a=λ, dass b=0 oder c=0 zutrifft. Hieraus folgt, dass auch im Fall a=λ die Gleichung (aλ)(dλ)bc=0 gelten muss, damit es Eigenvektoren v0 gibt. Wenn (aλ)(dλ)bc0 gelten würde, dann müsste v1=0 gelten, um Gleichung [1] zu erfüllen.
Fall 4: d=λ
Hier kann man analog zum Fall 3 argumentieren. Es folgt, dass auch im Fall d=λ die Gleichung (aλ)(dλ)bc=0 gelten muss, damit es Eigenvektoren v0 gibt.
Fall 5: c=0
Wenn c=0 gilt, dann muss (dλ)v2=0 gelten, um Gleichung [2] (im Ausgangs-LGS) zu erfüllen. Folglich muss d=λ oder v2=0 gelten. Der Fall d=λ wird bereits in Fall 4 betrachtet. Wenn v2=0 zutrifft, dann muss auch (aλ)×v1=0 gelten. Für v2=0 kann v1=0 für Eigenvektoren v0 nicht zutreffen. Es muss also a=λ gelten. Der Fall a=λ wird bereits in Fall 3 betrachtet. Insgesamt erhält man, dass auch im Fall c=0 die Gleichung (aλ)(dλ)bc=0 gelten muss, damit es Eigenvektoren v0 gibt.
Fall 6: b=0
Hier kann man analog zum Fall 5 argumentieren. Es folgt, dass auch im Fall b=0 die Gleichung (aλ)(dλ)bc=0 gelten muss, damit es Eigenvektoren v0 gibt.

Wir fassen das Ergebnis im folgenden Satz zusammen.

Eigenwertbedingung

Für eine beliebige 2×2-Matrix A=(abcd) gilt: Die Eigenwerte von A sind die Lösungen der folgenden Gleichung:

(aλ)(dλ)bc=0

Diese Gleichung nennt man auch charakteristischen Gleichung.

Im Kapitel Inverse 2x2-Matrizen wurde die Determinate einer 2×2-Matrix eingeführt:

Unter der Determinate einer 2×2-Matrix A=(abcd) versteht man den Ausdruck det(A)=adbc.

Die Eigenwertbedingung kann man mit Hilfe der Determinante auch so formulieren:

Eigenwertbedingung

Für eine beliebige 2×2-Matrix A=(abcd) gilt: Die Eigenwerte von A sind die Lösungen der folgenden Gleichung:

det(AλE)=0

Beachte: Die Eigenwertbedingung det(AλE)=0 gilt für beliebige quadratische Matrizen A. Man muss hierzu die Determinante geeignet für beliebige quadratische Matrizen festlegen.

Bestimmung von Eigenvektoren mit Hilfe von Eigenwerten

Ist λ ein Eigenwert von A, so erhält man die zugehörigen Eigenvektoren durch Auflösen des LGS nach den Variablen v1 und v2.

[1](aλ)v1+bv2=0[2]cv1+(dλ)v2=0

In der Übersicht sind die möglichen Fällen aufgelistet.

BedingungAuflösung nach einer VariablenEigenvektoren
aλ [1]v1=baλv2
Einsetzen von v1 in [2] liefert 0=0
v=r(baλ1) mit r0
dλ [2]v2=cdλv1
Einsetzen von v2 in [1] liefert 0=0
v=r(1cdλ) mit r0
c0 [1]v1=dλcv2
Einsetzen von v1 in [2] liefert 0=0
v=r(dλc1) mit r0
b0 [2]v2=aλbv1
Einsetzen von v2 in [1] liefert 0=0
v=r(1aλb) mit r0
a=λ und b=0 und c=0 v=r(10) mit r0
d=λ und b=0 und c=0 v=r(01) mit r0

Für jeden Eigenwert ergeben sich jeweils unendlich viele Eigenvektoren.

Für die Matrix A=(1243) mit den Eigenwerten λ=1 bzw. λ=5 erhält man so:

EigenwertEigenvektoren
λ=1 v=r(11) mit r0
λ=5 v=r(0.51) mit r0

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