Zusammenfassung - Bestimmung von Eigenvektoren
Zur Orientierung
Ziel ist es hier, ein Verfahren zur Bestimmung von Eigenvektoren zu entwickeln.
Ein Vektor ist ein Eigenvektor einer quadratischen Matrix genau dann, wenn es einen reelle Zahl gibt, so dass folgende Eigenvektorgleichung erfüllt ist:
Wir verdeutlichen das Vorgehen zur Bestimmung von Eigenvektoren anhand von -Matrizen. Wir betrachten daher folgende Problemsituation:
Geg.:
Matrix
Ges.:
Eigenvektoren der Matrix
Beachte, dass sich ein Großteil der Überlegungen zur Bestimmung der Eigenvektoren für -Matrizen direkt auf beliebige quadratische Matrizen übertragen lässt.
Umformung der Eigenvektorgleichung
Ausgangspunkt sämtlicher Überlegungen zur Bestimmung von Eigenvektoren ist die Eigenvektorgleichung:
Die folgende Übersicht zeigt, wie man diese Eigenvektorgleichung auch anders formulieren und in ein System aus Koordinatengleichungen überführen kann.
Umformung der Eigenvektorgleichung | Erläuterungen |
---|
| So sind Eigenvektoren festgelegt. |
| Die Eiheitsmatrix verändert bei der Multiplikation mit einem Vektor diesen Vektoren nicht. |
| Auf beiden Seiten der Gleichung wird der -Ausdruck subtrahiert. |
| Der Vektor wird ausgeklammert. Das ist erlaubt, da das Distributivgesetz für die Multiplikation von Matrizen / Vektoren gilt. |
| Die Rechnungen in den eckigen Klammern werden ausgeführt. |
| Die Matrixschreibweise wird in eine Gleichungsschreibweise umgewandet. |
Beachte: Die Umformungsschritte in der Übersicht gelten nicht nur für beliebige -Matrizen . Es gilt folgender Zusammenhang für beliebige quadratische Matrizen.
Eigenvektorbedingung
Für eine beliebige quadratische Matrix gilt: Ein Vektor ist ein Eigenvektor von genau dann, wenn es einen reelle Zahl gibt, so dass die folgende Bedingung (mit der zu passenden Einheitsmatrix ) erfüllt ist:
Herleitung einer Eigenwertgleichung – am Beipiel
Die Schritte zur Herleitung einer Eigenwertgleichung sind für beliebige -Matrizen mit vielen Fallunterscheidungen verbunden. Wir betrachten daher zuerst eine konkrete -Matrix . Für diese Matrix erhält man folgende Eigenvektorgleichung in Koordinatenform:
Für die weiteren Überlegungen ist die Voraussetzung wichtig, dass ein Eigenvektor kein Nullvektor ist. Wenn , dann folgt hieraus, dass im vorliegenden Beispiel und gelten muss. Das sieht man, indem man indirekt schließt: Wenn gelten würde, dann müsste gelten, um Gleichung zu erfüllen. Um auch noch Gleichung zu erfüllen, müsste dann auch noch gelten. Hieraus würde dann folgen. Entsprechend kann man für argumentieren.
Also: Im vorliegenden Beispiel gilt für Eigenvektoren die Voraussetzung und .
Das LGS zur Eigenvektorgleichung wird jetzt mit Hilfe von Äquivalenzumformungen in Stufenform transformiert.
vorgegebenes LGS | |
Äquivalenzumformung | |
transformiertes LGS | |
Äquivalenzumformung | beachte: |
transformiertes LGS | |
Äquivalenzumformung | |
transformiertes LGS | |
Damit es Eigenvektoren gibt, muss die folgende Eigenwertgleichung erfüllt sein:
Um das einzusehen, kann man wieder indirekt argumentieren: Wenn gelten würde, dann müsste gelten, um Gleichung zu erfüllen. Da , müsste dann auch gelten, um Gleichung zu erfüllen. Hieraus würde dann folgen.
Die Eigenwertgleichung lässt sich jetzt nach der Variablen lösen. Es gilt:
Also:
genau dann, wenn oder .
Mit der Eigenwertgleichung erhält man somit die Eigenwerte bzw. zur Matrix .
Herleitung einer Eigenwertgleichung – für beliebige -Matrizen
Im Fall beliebiger -Matrizen geht man analog zum Beispiel oben vor. Im allgemeinen Fall muss man für einige Umformungsschritte allerdings weitere Voraussetzungen treffen.
Fall 1: Voraussetzung: und . | Fall 1: Voraussetzung: und |
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| |
Vor.: | Vor.: |
| |
Vor.: | Vor.: |
| |
| |
| |
Damit Eigenvektoren mit hat, muss die Bedingung erfüllt sein. Um das nachzuweisen, muss man eine ganze Reihe von Fällen durchspielen.
Fall 1: und
Wenn gelten würde, dann müsste gelten, um Gleichung zu erfüllen. Da , müsste dann auch gelten, um Gleichung zu erfüllen. Hieraus würde dann folgen.
Fall 2: und
Wenn gelten würde, dann müsste gelten, um Gleichung zu erfüllen. Da , müsste dann auch gelten, um Gleichung zu erfüllen. Hieraus würde dann folgen.
Fall 3:
Wenn gilt, dann muss gelten, um Gleichung (im Ausgangs-LGS) zu erfüllen. Folglich muss oder gelten. Wenn zutrifft, dann muss auch gelten. Da im Fall nicht auch gelten kann, muss also gelten. Insgesamt erhält man für , dass oder zutrifft. Hieraus folgt, dass auch im Fall die Gleichung gelten muss, damit es Eigenvektoren gibt. Wenn gelten würde, dann müsste gelten, um Gleichung zu erfüllen.
Fall 4:
Hier kann man analog zum Fall 3 argumentieren. Es folgt, dass auch im Fall die Gleichung gelten muss, damit es Eigenvektoren gibt.
Fall 5:
Wenn gilt, dann muss gelten, um Gleichung (im Ausgangs-LGS) zu erfüllen. Folglich muss oder gelten. Der Fall wird bereits in Fall 4 betrachtet. Wenn zutrifft, dann muss auch gelten. Für kann für Eigenvektoren nicht zutreffen. Es muss also gelten. Der Fall wird bereits in Fall 3 betrachtet. Insgesamt erhält man, dass auch im Fall die Gleichung gelten muss, damit es Eigenvektoren gibt.
Fall 6:
Hier kann man analog zum Fall 5 argumentieren. Es folgt, dass auch im Fall die Gleichung gelten muss, damit es Eigenvektoren gibt.
Wir fassen das Ergebnis im folgenden Satz zusammen.
Eigenwertbedingung
Für eine beliebige -Matrix gilt: Die Eigenwerte von sind die Lösungen der folgenden Gleichung:
Diese Gleichung nennt man auch charakteristischen Gleichung.
Im Kapitel Inverse 2x2-Matrizen wurde die Determinate einer -Matrix eingeführt:
Unter der Determinate einer -Matrix versteht man den Ausdruck .
Die Eigenwertbedingung kann man mit Hilfe der Determinante auch so formulieren:
Eigenwertbedingung
Für eine beliebige -Matrix gilt: Die Eigenwerte von sind die Lösungen der folgenden Gleichung:
Beachte: Die Eigenwertbedingung gilt für beliebige quadratische Matrizen . Man muss hierzu die Determinante geeignet für beliebige quadratische Matrizen festlegen.
Bestimmung von Eigenvektoren mit Hilfe von Eigenwerten
Ist ein Eigenwert von , so erhält man die zugehörigen Eigenvektoren durch Auflösen des LGS nach den Variablen und .
In der Übersicht sind die möglichen Fällen aufgelistet.
Bedingung | Auflösung nach einer Variablen | Eigenvektoren |
---|
| Einsetzen von in liefert | mit |
| Einsetzen von in liefert | mit |
| Einsetzen von in liefert | mit |
| Einsetzen von in liefert | mit |
und und | | mit |
und und | | mit |
Für jeden Eigenwert ergeben sich jeweils unendlich viele Eigenvektoren.
Für die Matrix mit den Eigenwerten bzw. erhält man so:
Eigenwert | Eigenvektoren |
---|
| mit |
| mit |