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Zusammenfassung – Rekonstruktion eines Bestandes

Das Rekonstruktionsproblem

Die Übersicht zeigt Problemkonstellationen, in denen Bestandwerte aus Änderungsraten rekonstruiert werden sollen.

Kontext gegeben gesucht
Zufluss-Abfluss-System Entwicklung der Zuflussrate Gesamtzufluss innerhalb eines Zeitintervalls
Bewegungsablauf Entwicklung der Geschwindigkeit Zurückgelegter Weg innerhalb eines Zeitintervalls
Wachstumsprozess Entwicklung der Wachstumsrate Größenzunahme innerhalb eines Zeitintervalls

Verallgemeinernd kann man diese Situationen so beschreiben:

Rekonstruktionsproblem

Gegeben ist eine Funktion, die die Entwicklung der lokalen Änderungsraten eines Bestandes beschreibt. Die lokale Änderungsrate gibt an, um welchen Wert sich der Bestand pro Schrittweite (z.B. pro Zeiteinheit) ändert.

Gesucht ist die Gesamtänderung des Bestandes innerhalb eines betrachteten Intervalls.

Sprechweise: Der Bestand wird rekonstruiert. Dieses Rekonstruieren wird Integrieren genannt (Latein: integrare – wiederherstellen).

Bestandsrekonstruktion – der einfache Fall

Im einfachen Fall wird die Änderungsrate mit einer Treppenfunktion beschrieben. Treppenfunktionen sind abschnittsweise konstant.

Das Applet verdeutlicht, wie man in einem solchen Fall die Gesamtänderung des Bestandes rekonstruiert.

Zum Herunterladen: bestandsrekonstruktion1.ggb

Die Bestandsänderungen in konstanten Teilintervallen erhält man mit Produkten der Gestalt Bestandswert mal Intervalllänge:

Intervall Bestandsänderung
$1 \le x \lt 2$ $10 \cdot 1 = 10$
$2 \le x \lt 5$ $35 \cdot 3 = 105$
$5 \le x \lt 6$ $20 \cdot 1 = 20$
$6 \le x \lt 7$ $5 \cdot 1 = 5$
$7 \le x \lt 9$ $(-5) \cdot 2 = -10$

Für die Gesamtänderung des Bestandes im Intervall von $a = 1$ bis $b = 9$ erhält man, indem man die Teilbestandsänderungen aufsummiert:

$\Delta B_a^b = 10 + 105 + 20 + 5 + (-10) = 130$

Wenn man den Bestandswert zu Beginn kennt (z.B. $B(1) = 50$), dann kann man mit dieser Bestandsänderung den Bestandswert zum Intervallende bestimmen (z.B. $B(9) = 50 + 130 = 180$).

Das Bestandsrekonstruktionsverfahren lässt sich allgemein so beschreiben.

Bestandsrekonstruktion mit Produktsummen

Wenn die Entwicklung der Änderungsrate eines Bestandes mit einer Treppenfunktion beschrieben wird, dann kann man die Gesamtänderung des Bestandes in einem vorgegebenen Intervall $a \le x \le b$ mit Hilfe von Produktsummen der folgenden Gestalt bestimmen:

$\Delta B_a^b = \underbrace{h_1}_{\text{Änderungsrate 1. Intervall}} \cdot \underbrace{b_1}_{\text{Länge 1. Intervalls}} + \dots$

Mit dieser Bestandsänderung kann man aus dem Bestand $B(a)$ zum Ausgangswert $a$ den Bestand $B(b)$ zum Endwert $b$ des betrachteten Intervalls bestimmen:

$B(b) = B(a) + \Delta B_a^b$

Die Produke in der Aufsummierung kann man so deuten:

  • „Funktionswert mal Schrittweite“
  • „Stufenhöhe mal Stufenbreite“
  • „Stärke der Änderung mal Dauer der Änderung“
  • „Zuflussrate mal Dauer des Zuflusses“ (im Kontext Zufluss-Abfluss-System)

Bestandsrekonstruktion – der kompliziertere Fall

Schwieriger ist die Rekonstruktion, wenn die lokale Änderungsrate mit einer Funktion beschrieben wird, die keine Treppenfunktion ist. Das folgende Applet zeigt eine solche Ausgangssituation.

Zum Herunterladen: bestandsrekonstruktion2.ggb

In diesem Fall nähert man die Funktion zur lokalen Änderungsrate mit einer Treppenfunktion an. Im Applet wird eine grobe Annäherung mit $8$ Treppenstufen betrachtet. Die Intervallbreite bzw. Stufenbreite beträgt hier $1$. Die Treppenstufen sind so gewählt, dass ihre Höhen genau dem vorgegebenen Funktionsgraph in den Stufenmitten entsprechen.

Mit dem Verfahren für Treppenfunktionen kann man jetzt einen Näherungswert für die Bestandsänderung im betrachteten Intervall $1 \le x \le 9$ bestimmen:

$\Delta B_1^9 \approx 12.43 \cdot 1 + 25.78 \cdot 1 + 35.83 \cdot 1 + 38.98 \cdot 1 + 34.03 \cdot 1 + 22.18 \cdot 1 + 7.03 \cdot 1 (-5.42) \cdot 1 = 170.85$

Bessere Näherungswerte erhält man, wenn man die Anzahl der Stufen erhöht – und somit die Stufenbreite verringert. Im nächsten Applet kann man mit dem Schieberegler diese Anzahl schrittweise erhöhen.

Zum Herunterladen: bestandsrekonstruktion3.ggb

Man erhält auf diese Weise ein Näherungsverfahren zur Rekonstruktion eines Bestandes bei beliebigen Änderungsratenfunktionen.

Bestandsrekonstruktion mit einen Näherungsverfahren

Wenn die lokale Änderungsrate mit einer beliebigen Funktion gegeben ist, dann kann man die Gesamtänderung des Bestandes in einem vorgegebenen Intervall $a \le x \le b$ mit einem Näherungsverfahren rekonstruieren. Die Änderungsratenfunktion wird hierzu mit einer Treppenfunktion angenähert. Für diese Treppenfunktion lässt sich die Bestandsrekonstruktion mithilfe von Produktsummen durchführen und wir erhalten auf diese Weise Näherungswerte für die Gesamtänderung des Bestandes zur vorgegeben Änderungsratenfunktion. Je kleiner die Intervallbreiten der Treppenfunktion gewählt werden, desto exakter wird die Annäherung der Treppenfunktionen an die vorgegebene Änderungsratenfunktion. Dadurch erhalten wir immer bessere Abschätzungen bei der Bestandsrekonstruktion.

Zusammenfassung mit Videos

Bestandsrekonstruktion - Die Idee

In diesem Video werden die Idee der Rekonstruktion eines Bestands aus seiner Änderungsrate am Beispiel des Zufluss-Abfluss-Modells vorgestellt und erste Zusammenhänge zwischen Änderungsrate und Bestandsfunktion herausgestellt.

Schrittweise Bestandsrekonstruktion bei Treppenfunktionen

In diesem Video wird die Rekonstruktion des Bestands aus einer Treppenfunktion ausführlich am Beispiel der Zuflussrate vorgenommen und schrittweise erklärt. Die Erkenntnisse werden am Ende verallgemeinert.

Zusammenfassung Bestandsrekonstruktion bei Treppenfunktionen

In diesem Video wird die Rekonstruktion des Bestands aus einer Treppenfunktion allgemein und zusammengefasst dargestellt.

Bestandsrekonstruktion Verallgemeinerung

In diesem Video wird die Idee zur Rekonstruktion des Bestands aus einer beliebigen Änderungsratenfunktion dargestellt.

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