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Vertiefung

Zur Orientierung

Die Annäherung der standardisierten Histogramme mit der Gauß-Funktion eröffnet Möglichkeiten zur Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten bei binomialverteilten Zufallsgrößen. Diese Möglichkeiten kannst du hier erschließen.

Lokale Wahrscheinlichkeiten abschätzen

Wir gehen hier von einer binomialverteilten Zufallsgröße $X$ mit den Parametern $n$ und $p$ aus. Im folgenden Applet ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer solchen Zufallsgröße $X$ für die Parameter $n = 60$ und $p = 0.25$ dargestellt. Wir betrachten die (lokale) Wahrscheinlichkeit P(X = x) für einen Wert $x$ (wie z.B. $x = 17$). Bearbeite die Aufgaben unterhalb des Applets.

Zum Herunterladen: binomialstandardisierung3.ggb

Aufgabe 1

(a) Begründe: Der Balken im standardisierten Histogramm an der verschobenen Stelle $z = \frac{x - \mu}{\sigma}$ hat die Breite $\frac{1}{\sigma}$ und die Höhe $\sigma \cdot P(X = x)$.

(b) Begründe mit der Aussagen aus (a) den folgenden Satz zur Abschätzung lokaler Wahrscheinlichkeiten.

Abschätzung von lokalen Wahrscheinlichkeiten

Betrachte eine binomialverteilte Zufallsgröße $X$, für die die Laplace-Bedingung $\sigma > 3$ erfüllt ist. Dann gilt:

$P(X = x) \approx \frac{1}{\sigma} \varphi(z)$ mit $z = \frac{x - \mu}{\sigma}$

Aufgabe 2

Betrachte die im Applet dargestellte binomialverteilte Zufallsgröße $X$ mit den Parametern $n = 60$ und $p = 0.25$. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit $P(X = 17)$ mit der Gauß-Funktion näherungsweise zu bestimmen.

(a) Überprüfe, ob die Bedingung $\sigma > 3$ erfüllt ist.

(b) Bestimme die zur Stelle $x = 17$ gehörende Stelle $z = \frac{x - \mu}{\sigma}$ im standardisierten Histogramm.

(c) Berechne $P(x = 17)$ mit Hilfe von $\varphi(z)$ und vergleiche den Wert mit dem Binomialverteilungswert $P(X = 17) = B_{60; 0.05}(17) \approx 0.0956$.

Zur Kontrolle

(a) Es gilt $\sigma = \sqrt{60 \cdot 0.25 \cdot 0.75} \approx 3.3541 > 3$.

(b) Zur Stelle $x = 17$ im Histogramm der Binomialverteilung erhält man die Stelle $z = \frac{x - \mu}{\sigma} \approx 0.5963$ im standardisierten Histogramm.

(c) Mit $\varphi(z) \approx 0.334$ erhält man $P(X = 17) = \frac{1}{\sigma} \varphi(z) \approx 0.0996$. Die Annäherung an $P(X = 17) = B_{60; 0.05}(17) \approx 0.0956$ ist somit recht gut.

Globale Wahrscheinlichkeiten abschätzen

Wir gehen hier weiterhin von einer binomialverteilten Zufallsgröße $X$ mit den Parametern $n$ und $p$ aus. Im folgenden Applet ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer solchen Zufallsgröße $X$ für die Parameter $n = 60$ und $p = 0.25$ dargestellt (blau eingefärbtes Histogramm). Wir betrachten jetzt die (globale) Wahrscheinlichkeit von $X$-Werte-Intervallen $P(x_1 \le X \le x_2)$. Bearbeite die Aufgaben unterhalb des Applets.

Zum Herunterladen: binomialstandardisierung4a.ggb

Aufgabe 3

(a) Begründe: Die Wahrscheinlichkeit $P(x_1 \le X \le x_2)$ für ein Werte-Intervall entspricht im Histogramm der Gesamtfläche der Balken von $x_1$ bis $x_2$.

(b) Begründe: Wenn man eine Standardisierung des Histogramms vornimmt, dann wandern die Balken zur Wahrscheinlichkeit $P(x_1 \le X \le x_2)$ an Stellen von $z_1 = \frac{x_1 - \mu}{\sigma}$ bis $z_2 = \frac{x_2 - \mu}{\sigma}$. Diese transformierten Balken haben denselben Flächeninhalt wie die Ausgangsbalken. Der Flächeninhalt der transformierten Balken entspricht somit ebenfalls der Wahrscheinlichkeit $P(x_1 \le X \le x_2)$.

(c) Begründe: Den Flächenihalt der transformierten Balken kann man mit Hilfe der Gaußfunktion $\varphi$ annähern. Die zu $x_1$ und $x_2$ gehörenden transformierten Stellen liefern die Mitten der äußeren Balken im standardisierten Histogramm. Um die halben Balkenbreiten links von $z_1$ und rechts von $z_2$ zu berücksichtigten, ermittelt man die Intervallgrenzen $z_1' = \frac{x_1 - \mu - 0.5}{\sigma}$ und $z_2' = \frac{x_2 - \mu + 0.5}{\sigma}$. Man diesen Intervallgrenzen erhält man den folgenden Satz zur Abschätzung globaler Wahrscheinlichkeiten.

Abschätzung von globalen Wahrscheinlichkeiten

Betrachte eine binmialverteilte Zufallsgröße $X$, die die Bedingung $\sigma > 3$ erfüllt. Dann gilt:

$P(x_1 \le X \le x_2) \approx \int\limits_{z_1'}^{z_2'} \varphi(x) \; dx$ mit $z_1' = \frac{x_1 - \mu - 0.5}{\sigma}$ und $z_2' = \frac{x_2 - \mu + 0.5}{\sigma}$

Aufgabe 4

Betrachte die im Applet dargestellte binomialverteilte Zufallsgröße $X$ mit den Parametern $n = 60$ und $p = 0.25$. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit $P(14 \le X \le 20)$ mit der Gauß-Funktion näherungsweise zu bestimmen.

(a) Überprüfe, ob die Bedingung $\sigma > 3$ erfüllt ist.

(b) Bestimme die Intervallgrenzen $z_1'$ und $z_2'$ zum Intervall betrachteten Intervall von $x_1 = 14$ bis $x_2 = 20$.

(c) Benutze den numerischen Integralrechner zur Abschätzung von $P(14 \le X \le 20)$ mit einem geeigneten Integral. Setze für $a$ und $b$ die passenden Werte ein.

Zum Herunterladen: numerische-integration.ggb

Zur Kontrolle

(a) Es gilt $\sigma = \sqrt{60 \cdot 0.25 \cdot 0.75} \approx 3.3541 > 3$.

(b) Zu den Stellen $x_1 = 14$ und $x_2 = 20$ gehören die Intervallgrenzen $z_1' \approx -0.4472$ und $z_2' \approx 1.6398$.

(c) Mit dem Integralrechner erhält man $P(x_1 \le X \le x_2) \approx \int\limits_{z_1'}^{z_2'} \varphi(x) \; dx \approx 0.6221$. Die Annäherung an $P(x_1 \le X \le x_2) = B_{60; 0.05}(14) + \dots + B_{60; 0.05}(20) \approx 0.6109$ ist somit recht gut.

Standardisierung von Binomialverteilungen – die praktische Bedeutung früher

Die Erkenntnis, dass man das standardisierte Histogramm zu einer Binomialverteilung mit der Gauß-Funktion annähern kann, wurde früher benutzt, um Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. Zur Verdeutlichung der Problematik betrachte noch einmal die im Applet dargestellte Situation. Hier geht es um die Bestimmung von $P(14 \le X \le 20)$ bei einer binomialverteilten Zufallsgröße mit den Parametern $n = 60$ und $p = 0.25$.

Zum Herunterladen: binomialstandardisierung4a.ggb

Aufgabe 5

Mache dir klar, wie man früher (ohne Taschenrechner oder Computer) solche Wahrscheinlichkeiten bestimmt hat. Vergleiche dabei den Aufwand, den man zur Bestimmung von $P(14 \le X \le 20)$ leisten musste.

  • Man muss viele Einzelwahrscheinlichkeiten berechnen: $P(X = 14)$, ..., $P(X = 20)$.
  • Jede Einzelwahrscheinlichkeit muss man mit der Formel von Bernoulli berechnen, z.B.: $P(X = 15) = B_{60; 0.25}(15) = \binom{60}{15} \cdot 0.25^{15} \cdot 0.75^{45}$.
  • Die Berechnungen mit der Formel von Bernoulli sind aufwendig. Im Fall $P(X = 15)$ muss man einen sehr großen und zwei sehr kleine Werte miteinander multiplizieren: $P(X = 15) = B_{60; 0.25}(15) = \underbrace{\binom{60}{15}}_{53194089192720} \cdot \underbrace{0.25^{15}}_{9.313 \cdot 10^{-10}} \cdot \underbrace{0.75^{45}}_{2.386 \cdot 10^{-6}}$.
  • Zur Vermeidung solch komplexer Berechnungen hat man mit viel Rechenaufwand einmalig Tabellen für die Binomialverteilungen $B_{n; p}(k)$ angelegt.
  • Zur Berechnung von $P(14 \le X \le 20)$ musste man die Einzelwahrscheinlichkeiten in den Tabellen nachschlagen und dann aufsummieren.
  • Zur Abschätzung von $P(14 \le X \le 20)$ mit der Gauß-Funktion musste man nur einmalig ein Integral bestimmen. Die Integralwerte zur Gauß-Funktion wurden dabei ebenfalls in einer Tabelle nachgeschlagen.

Standardisierung von Binomialverteilungen – die fachliche Bedeutung heute

Heute werden die Wahrscheinlichkeiten binominalverteilter Zufallsgrößen mit dem Taschenrechner oder Computer berechnet. Die Standardisierung von Binomialverteilungen und ihre Annäherung mit der Gauß-Funktion benötigt man daher nicht mehr zur Abschätzung solcher Wahrscheinlichkeiten. Die Standardisierung wird heute dazu eingesetzt, um die gemeinsame Struktur unterschiedliche Binomialverteilungen sichtbar zu machen.

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