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Zusammenfassung - Modellierung mit Exponentialfunktionen

Das Problem

In der Praxis steht man oft vor folgendem Problem: Es liegen Daten über einen Wachstums- oder Zerfallsprozess vor. Unklar ist, ob der Prozess – zumindest in Teilen – nahezu exponentiell verläuft. Man sieht es den Daten meist direkt nicht an. Auch eine Veranschaulichung im Koordinatensystem hilft oft nicht weiter.

Zum Herunterladen: corona2.ggb

Wir stellen hier ein Verfahren zur Erkennung und Beschreibung exponentieller Prozesse vor, das auf folgender Grundidee basiert: Die Daten werden so vorverarbeitet, dass exponentielles Verhalten im Ausgangsdatenbestand sich in einem linearen Verhalten des transformierten Datenbestands zeigt. Die hierfür benötigten mathematischen Zusammenhänge werden zunächst vorgestellt.

Eine e-Funktion logarithmieren

Das Applet verdeutlicht einen interessanten Zusammenhang. Im unteren Fenster ist eine e-Funktion g(x)=aekx mit den einstellbaren Parametern a und k dargestellt. Im oberen Fenster ist die Funktion h(x)=ln(g(x)) grafisch dargestellt. Egal wie man die Parameter a und k wählt, die aus der e-Funktion g(x) resultierende Funktion h(x) ist immer eine lineare Funktion.

Zum Herunterladen: linearexponentiell2.ggb

Der Nachweis basiert auf dem Logarithemgesetz ln(xy)=ln(x)+ln(y) und der Tatsache, dass die ln-Funktion die Umkehrung zur e-Funktion ist.

h(x)=ln(g(x)) nach Voraussetzung=ln(aekx) nach Voraussetzung=ln(a)+ln(ekx) mit dem Logarithemgesetz ln(xy)=ln(x)+ln(y)=ln(a)+kx wegen ln(ez)=z=mx+b mit b = ln(a) und m = k

Man erhält somit folgenden Satz:

Logaritmieren einer e-Funktion

Betrachte die e-Funktion g(x)=aekx. Die Funktion h(x)=ln(g(x)) ist dann eine lineare Funktion mit h(x)=mx+b mit der Steigung m=k und dem y-Abschnitt b=ln(a).

Eine lineare Funktion exponieren

Im folgenden Applet wird die umgekehrte Situation gezeigt. Im oberen Fenster ist eine lineare Funktion f(x)=mx+b mit den einstellbaren Parametern m und b dargestellt. Im unteren Fenster ist die Funktion g(x)=ef(x) grafisch dargestellt. Die lineare Funktion f(x) wird hier in eine e-Funktion vom Typ g(x)=aekx transformiert.

Zum Herunterladen: linearexponentiell1.ggb

Der Nachweis basiert auf dem Potenzgesetz ex+y=exey.

g(x)=ef(x) nach Voraussetzung=emx+b nach Voraussetzung=emxeb mit dem Potenzgesetz ex+y=exey=aekx mit a=eb mit k=m

Man erhält somit folgenden Satz:

Exponieren einer linearen Funktion

Betrachte eine lineare Funktion f(x)=mx+b. Die Funktion g(x)=ef(x) ist dann eine e-Funktion vom Typ g(x)=aekx mit dem Anfangswert a=eb und der Wachstumskonstande k=m.

Analyse eines Datenbestands

Wir benutzen jetzt diese Zusammenhänge, um exponentielles Wachstum in einem vorgegebenen Datenbestand festzustellen und es mit Hilfe einer e-Funktion zu erfassen.

  • In der Tabelle im rechten Fenster ist in der zweiten Spalte die jeweilige Anzahl der neu gemeldeten COVID-Infizierten zu Beginn der ersten Corona-Welle eingetragen. Betrachtet wird hier der Zeitraum vom 01.03.2020 bis zum 31.03.2020. Die Anzahlen sind zusätzlich im Koordinatensystem im unteren Fenster grafisch dargestellt.
  • In der dritten Spalte in der Tabelle sind die ln-Werte der Anzahlen in der zweiten Spalte berechnet. Diese ln-Werte sind im Koordinatensystem im oberen Fenster grafisch dargestellt.

Zum Herunterladen: corona4.ggb

Exponentielles Verhalten des vorgegebenen Datenbestandes zeigt sich in einem linearen Verhalten des logarithmierten Datenbestands. Im oberen Fenster wird ein näherungsweise linearer Teilbereich mit einer Geraden durch die Punkte A und B angezeigt. Die Funktionsgleichung der zur Geraden gehörenden linearen Funktion lässt sich mit den Koordinaten A(1|5) und B(20|10) aufstellen. Man erhält :

h(x)=519(x1)+5=519x+9019

Hieraus bestimmt man die e-Funktion wie folgt:

g(x)=eh(x)114e0.26x

Diese Funktion beschreibt das Wachstum der COVID-Infizierten im Zeitraum 02.03.2020 bis zum 21.03.2020 recht gut.

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