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Zusammenfassung - Fixgeraden bei affinen Abbildungen

Das Fixgeradenkonzept

Im Applet wird eine Abbildung verdeutlicht, die eine Gerade auf sich selbst abbildet.

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Wir führen einen Begriff für solche Geraden ein.

Fixgerade einer geometrischen Abbildung

Eine Gerade g ist eine Fixgerade einer geometrischen Abbildung α genau dann, wenn die Gerade durch α auf sich selbst abgebildet wird.

Beachte den Unterschied zwischen den Konzepten Fixgerade und Fixpunktgerade:

  • Eine Fixpunktgerade ist immer auch eine Fixgerade. Jeder Punkt einer Fixpunktgerade ist ein Fixpunkt und wird daher auf sich selbst abgebildet. Damit wird die Fixpunktgerade natürlich auch auf sich selbst abgebildet.
  • Eine Fixgerade ist in der Regel keine Fixpunktgerade. Im Applet oben ist die gezeigte Gerade eine Fixgerade, aber keine Fixpunktgerade. Eine Fixgerade kann Fixpunkte enthalten, muss aber nicht.

Ursprungsgeraden als Fixgeraden bei linearen Abbildungen

Wir betrachten zunächst den Spezialfall, dass die Abbildung eine lineare Abbildung ist und dass die Fixgerade eine Ursprungsgerade ist.

Betrachte als Beispiel die im Applet vorgegebene lineare Abbildung. Gibt es Ursprungsgeraden, die Fixgeraden dieser Abbildung sind? Wie kann man sie ggf. rechnerisch bestimmen? Diese Fragen werden im Folgenden geklärt.

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Betrachte die im Applet voreingestellte lineare Abbildung α:(x1x2)=(1210)(x1x2).

Im Applet kann man die Ursprungsgeraden als Fixgeraden experimentell bestimmen. Wenn man den Punkt P im Ursprung belässt, dann muss man den Punkt Q in eine Position bringen, so dass u=λu mit λ0 gilt. Man erhält so folgende Fixgeraden:

  • g:x=t(21) (tR);
    g erhält man, indem man den Punkt P im Koordinatenursprung lässt und Q z.B. an die Position (2|1) bringt.
  • h:x=t(11) (tR);
    h erhält man, indem man den Punkt P im Koordinatenursprung lässt und Q z.B. an die Position (1|1) bringt.

Betrachte jetzt eine beliebige lineare Abbildung α mit α:x=Ax.

Es gelten folgenden Aussagen:

  • Eine Ursprungsgerade g lässt sich in der Form g:x=tu mit einem Richtungsvektor u0 darstellen.
  • Für x=tu gilt x=A(tu)=t(Au).
  • α(g):x=t(Au) ist eine Ursprungsgerade, falls Au0 gilt.
  • Au und u beschreiben dieselbe Richtung, wenn Au=λu mit einer reellen Zahl λ0 gilt bzw. wenn u ein Eigenvektor von A ist mit einem Eigenwert λ0.

Mit den vorangehenden Überlegungen erhält man das folgende Ergebnis:

Fixgeraden einer linearen Abbildung

Eine Ursprungsgerade g:x=tu (tR) ist Fixgerade der linearen Abbildung α:x=Ax genau dann, wenn u ein Eigenvektor von A ist mit einem Eigenwert λ0.

Beispiel

Betrachte noch einmal die im Applet voreingestellte lineare Abbildung α:(x1x2)=(1210)(x1x2).

Eigenwerte von A=(1210): λ1=2;λ2=1

Eigenvektoren von A=(1210):
λ1=2:w1=r(21);r0λ2=1:w2=r(11);r0

Fixgeraden von α:
g:x=t(21) (tR)
h:x=t(11) (tR)

Fixgeraden bei affinen Abbildungen

Wir betrachten jetzt den allgemeinen Fall, dass die Abbildung eine affine Abbildung ist und dass die Fixgerade eine beliebige Gerade sein kann. Betrachte hierzu die im Applet voreingestellte affine Abbildung α. Es handelt sich bei dieser Abbildung um eine Verschiebung.

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Die Bedingung u=λu mit λ0 reicht nicht aus, um zu schließen, dass die Gerade g durch P und Q eine Fixgerade von α ist. Damit (im Applet) die Gerade g durch P und Q eine Fixgerade von α ist, muss die zusätzliche Bedingung PP=ku (mit einer reellen Zahl k) erfüllt sein. Der Punkt P liegt dann auf der Geraden durch P und Q.

Bei der die vorgegebenen affine Abbildung gibt es unendlich viele Fixgeraden. Man kann P zunächst an eine beliebige Position setzen. Da die Bedingung u=λu (hier mit λ=1) immer erfüllt ist, muss man nur für Q eine Position finden, so dass PP=ku (mit einer reellen Zahl k) gilt.

Im folgenden Satz werden die bisherigen Überlegungen verallgemeinernd zusammengefasst.

Fixgeraden einer affinen Abbildung

Eine Gerade g:x=p+tu (tR) ist Fixgerade der affinen Abbildung α:x=Ax+v genau dann, wenn die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • uAu beschreibt dieselbe Richtung wie u bzw.
    u ist ein Eigenvektor von A mit einem Eigenwert λ0.
  • P liegt auf der Geraden g bzw.
    PP(Ap+v)p=ku mit einer reellen Zahl k.

Beispiel

Als komplizierteres Beispiel betrachten wir die experimentelle Bestimmung von Fixgeraden im nächsten Applet. Hier ist die affine Abbildung α:(x1x2)=(0.5121.5)(x1x2)+(11) vorgegeben.

Eigenwerte von A=(0.5121.5): λ1=0.5;λ2=2.5

Eigenvektoren von A=(0.5121.5):
λ1=0.5:w1=r(11);r0λ2=2.5:w2=r(12);r0

Im Applet wird die affine Abbildung verdeutlicht.

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Der Punkt P liegt bereits an einer günstigen Position. Der Vektor PP ist ein Vielfaches vom Eigenvektor (11). Hier muss man Q an eine Position bringen (z.B. Q(4|4)), so dass u und u Vielfache voneinander sind.

Eine weitere Fixgerade erhält man, indem man P so hin und her bewegt, bis PP ist ein Vielfaches vom Eigenvektor (12) ist. Das ist z.B. für P(1|0) der Fall. Jetzt muss man Q an eine Position bringen (z.B. Q(0|2)), so dass u und u Vielfache voneinander sind.

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