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Zusammenfassung - Umkehrung affiner Abbildungen

Die Grundidee

Die Umkehrabbildung α1 zu einer vorgegebenen (geometrischen) Abbildung α kehrt die Zuordnungen der vorgegebenen Abbildung α alle um – sofern dies möglich ist.

Beispiel 1: umkehrbare Abbildung

AbbildungUmkehrabbildung
AbbildungUmkehrabbildung
Zuordnungsbeispiele:
α:(80)(816)
α:(08)(168)
Zuordnungsbeispiele:
α1:(816)(80)
α1:(168)(08)
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α:(x1x2)=(1221)(x1x2)
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α1:(x1x2)=(0.20.40.40.2)(x1x2)

Die Abbildung α in Beispiel 1 ist umkehrbar. Die Abbildung α1 ist die Umkehraabildung zur Abbildung α. Wie man sie bestimmen kann, wird weiter unten erläutert.

Beispiel 2: nicht umkehrbare Abbildung

AbbildungUmkehrabbildung
Abbildung
Zuordnungsbeispiele:
α:(80)(84)
α:(04)(84)
Zuordnungsbeispiele:
α1:(84)?
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α:(x1x2)=(120.51)(x1x2)
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α1 existiert nicht

Nicht jede (lineare) Abbildung ist umkehrbar. Die Abbildung α in Beispiel 2 ist nicht umkehrbar. Das erkennt man anhand von Zuordnungen, die zum selben Bildvektor führen.

Beschreibung mit Fachbegriffen

Wir präzisieren die bereits (intuitiv) verwendeten Begriffe.

Umkehrabbildung

Eine geometrische Abbildung α ist umkehrbar genau dann, wenn sie unterschiedliche Vektoren (bzw. Punkte) jeweils auf unterschiedliche Bildvektoren (bzw. Bildpunkte) abbildet.

Die Umkehrbarabbildung α1 zu einer vorgegebenen geometrischen Abbildung α kehrt die Zuordnungen der vorgegebenen Abbildung α alle um – sofern die Abbildung umkehrbar ist.

Das Zusammenspiel von Abbildung und Umkehrabbildung lässt sich auch so beschreiben: Wenn man zuerst die Abbildung α auf einen Vektor anwendet und anschließend die Umkehrabbildung α1 auf den Bildvektor, dann erhält man wieder den Ausgangsvektor.

In Beispiel 1 sieht man das anhand ausgewählter Zuordnungen:

(80)α(816)α1(80)

Die Verkettung von Abbildung und Umkehrabbildung muss also folgende Bedingung erfüllen:

α1α:(x1x2)(x1x2) bzw. α1α:(x1x2)=(x1x2)

Die Verkettung α1α von Abbildung und Umkehrabbildung ergibt die identische Abbildung, die jeden Vektor auf sich selbst abbildet.

Bestimmung der Umkehrabbildung einer linearen Abbildung mit Hilfe von Zuordnungen

Wir verdeutlichen die Vorgehensweise für die lineare Abbildung aus Beispiel 1 oben.

Geg.: α:(x1x2)=(1221)(x1x2)

Ges.: α1:(x1x2)=, so dass α1α:(x1x2)=(x1x2) gilt

Der folgende Ansatz geht davon aus, dass α1 ebenfalls eine lineare Abbildung ist.

α1:(x1x2)=(abcd)(x1x2)

Mit Hilfe vorgegebener Zuordnungen kann man ein lineares Gleichungssystem für die Unbekannten a, b, c, d bestimmen.

BedingungenVektorgleichungenKoordinatengleichungen
α1:(816)(80) (abcd)(816)=(80) [1]8a+16b=8[2]8c+16d=0
α1:(168)(08) (abcd)(168)=(08) [3]16a+8b=0[4]16c+8d=8

Das entstehende lineare Gleichungssystem lässt sich in zwei separate Gleichungssysteme aufteilen und dann mit geeigneten Verfahren lösen. Im vorliegenden Fall erhält man a=0.2; b=0.4; c=0.4; d=0.2 und somit:

α1:(x1x2)=(0.20.40.40.2)(x1x2)

Diese Abbildung α1 erfüllt die beiden Bedingungen α1:(816)(80) und α1:(168)(08). Zu klären ist noch, ob sie auch die Bedingung α1α:(x1x2)=(x1x2) erfüllt.

Wir bestimmen α1α:

α1α:(x1x2)=[(0.20.40.40.2)(1221)](x1x2)=(1001)(x1x2)=(x1x2)

Beachte: Bei der Umformung verwenden wir folgenden Zusammenhang: Die Abbildungsmatrix (0.20.40.40.2) ist die inverse Matrix zur Abbildungsmatrix (1221). Das Produkt der beiden Matrizen liefert die Einheitsmatrix (1001).

Wir erhalten folgendes Ergebnis: Die Verkettung α1α liefert die identische Abbildung. Die ermittelte Abbildung α1 ist somit tatsächlich die Umkehrabbildung von α.

Bestimmung der Umkehrabbildung einer linearen Abbildung mit Hilfe der inversen Matrix

Die inverse Matrix A1 zu einer Matrix A ist die Matrix mit A1A=E. Das Produkt aus der Matrix A und der zugehörigen inversen Matrix A1 ergibt die (zur Dimension passende) Einheitsmatrix E.

Wenn man die inverse Matrix A1 zur Abbildungsmatrix A einer linearen Abbildung kennt, dann liefert diese inverse Matrix direkt die Umkehrabbildung. Man kann so argumentieren:

Betrachte eine lineare Abbildung α:x=Ax mit einer umkehrbaren Abbildungsmatrix A. Für die Abbildung β:x=A1x gilt dann:

βα:x=A1(Ax)=(A1A)x=Ex=x

Die Abbildung β:x=A1x ist somit die Umkehrabbildung zur linearen Abbildung α:x=Ax. Es gilt also:

α1:x=A1x

Die Verwendung der inversen Matrix bei der Bestimmung einer Umkehrabbildung ist dann von besonderem Interesse, wenn man die inverse Matrix zu einer Ausgangsmatrix direkt bestimmen kann – z.B. mit einem Computeralgebrasystem oder mit dem folgenden Satz (aus Kapitel ...).

Eine 2×2-Matrix A=(abcd) ist genau dann invertierbar, wenn die Bedingung adbc0 erfüllt ist. Für die inverse Matrix A1 gilt dann:

A1=1adbc(dbca)

Wir verwenden diesen Satz, um die Umkehrabbildung zur Abbildung aus Beispiel 1 erneut zu bestimmen.

Geg.: α:(x1x2)=(1221)(x1x2)

Ges.: α1:(x1x2)=, so dass α1α:(x1x2)=(x1x2) gilt

Wir bestimmen die inverse Matrix zur Abbildungsmatrix A=(1221):

A1=111(2)2(1221)=15(1221)=(0.20.40.40.2)

Es gilt also:

α1:(x1x2)=(0.20.40.40.2)(x1x2)

Zusammenfassung - Umkehrabbildung einer linearen Abbildung

Die (teils exemplarisch durchgeführten) durchgeführten Überlegungen lassen sich wie folgt verallgemeinern.

Umkehrabbildung einer affinen Abbildung

Eine lineare Abbildung α:x=Ax ist genau dann umkehrbar, wenn die Abbildungsmatrix A invertierbar ist. Das ist genau dann der Fall, wenn die Spaltenvektoren der Abbildungsmatrix A linear unabhängig (d.h. keine Vielfache voneinander) sind.

Die Umkehrabbildung α1 zur Abbildung α erhält man mit der inversen Matrix A1.

α1:x=A1x

Die Umkehrabbildung α1 zur linearen Abbildung α ist ebenfalls eine lineare Abbildung.

Bestimmung der Umkehrabbildung einer affinen Abbildung mit Hilfe der inversen Matrix

Wir starten mit einem Beispiel:

Geg.: α:(x1x2)=(1221)(x1x2)+(84)

Ges.: α1:(x1x2)=, so dass α1α:(x1x2)=(x1x2) gilt

Beachte, dass die affine Abbildung im Beispiel hier aus der linearen Abbildung im Beispiel oben durch Hinzufügen eines Verschiebevektors hervorgeht. Im vorliegenden Fall ist es daher günstig, die Abbildung α in zwei Teilabbildungen α1 und α2 aufzuteilen:

α1:(x1x2)=(1221)(x1x2)

α2:(x1x2)=(x1x2)+(84)

Diese Aufteilung ist günstig, weil man die Umkehrabbildung α11 bereits kennt und die Umkehrabbildung α21 direkt angeben kann:

α11:(x1x2)=(0.20.40.40.2)(x1x2)

α21:(x1x2)=(x1x2)(84)

AbbildungUmkehrabbildung
AbbildungUmkehrabbildung
Zuordnungsbeispiel:
α:(80)α1(816)α2(012)
Zuordnungsbeispiele:
α1:(012)α21(816)α11(80)
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α:(x1x2)α1(1221)(x1x2)α2(1221)(x1x2)+(84)
Vektorgleichung als allgemeine Zuordnungsvorschrift:
α1:(x1x2)α21(x1x2)(84)α11(0.20.40.40.2)[(x1x2)(84)]

Durch Umformen der Vektorgleichung erhält man folgende algebraische Darstellung von α1:

α1:(x1x2)=(0.20.40.40.2)[(x1x2)(84)]=(0.20.40.40.2)(x1x2)(0.20.40.40.2)(84)=(0.20.40.40.2)(x1x2)(3.22.4)=(0.20.40.40.2)(x1x2)+(3.22.4)

Die Überlegungen im Beispiel lassen sich direkt verallgemein. Betrachte eine affine Abbildung α:x=Ax+v mit einer umkehrbaren Abbildungsmatrix A. Auch hier zerlegen wir α in zwei Teilabbildungen α1 und α2:

α:xα1Axα2Ax+v

Für α1 gilt dann:

α1:xα21xvα11A1(xv)

Eine Umformung zeigt dann, dass α1 ebenfalls eine affine Abbildung ist.

α1:x=A1(xv)=A1xA1v=A1x+(A1v)

Wir fassen das Ergebnis im folgenden Satz zusammen.

Umkehrabbildung einer affinen Abbildung

Eine affine Abbildung α:x=Ax+v ist genau dann umkehrbar, wenn die Abbildungsmatrix A invertierbar ist. Die Umkehrabbildung α1 zur Abbildung α erhält man mit der inversen Matrix A1.

α1:x=A1(xv)=A1x+(A1v)

Die Umkehrabbildung α1 zur affinen Abbildung α ist ebenfalls eine affine Abbildung.

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