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Zusammenfassung - Verkettung geometrischer Abbildungen

Die Grundidee

Ziel ist es, eine Drehung um 90° um das Drehzentrum (4|5) algebraisch zu beschreiben. Diese Abbildung kann man mit Hilfe von 3 Teilabbildungen durchführen, die hintereinander ausgeführt werden. Das Hintereinanderausführen von Teilabbildungen nennt man auch Verketten von Abbildungen.

Teilabbildung 1Teilabbildung 2Teilabbildung 3
Schritt 1Schritt 2Schritt 3
Verschiebung um 4 nach rechts und 5 nach unten Drehung um 90° um den Ursprung Verschiebung um 4 nach links und 5 nach oben
α:(x1x2)=(x1x2)+(45) β:(x1x2)=(0110)(x1x2) γ:(x1x2)=(x1x2)+(45)

In der Übersicht sind auch bereits die algebraischen Beschreibungen zu den Teilabbildungen aufgeführt. Beachte, dass wir hier die Bezeichnung α, β und γ als Abkürzungen für die Teilabbildungen verwenden. Es fehlt noch die algebraische Beschreibung der Gesamtabbildung, die man durch eine Verkettung (bzw. durch Hintereinanderausführen) der Teilabbildungen erhält.

Verkettung der Teilabbildungen – am BeispielVerkettung der Teilabbildungen – allgemein
(67)α(67)+(45)=(22)β(0110)[(67)+(45)]=(22)γ(0110)[(67)+(45)]+(45)=(63) (x1x2)α(x1x2)+(45)β(0110)[(x1x2)+(45)]γ(0110)[(x1x2)+(45)]+(45)

Die Verkettung von α, β und γ bildet den Ausgangsvektor (67) auf den Bildvektor (63) ab:

(67)αβγ(63)

Wenn man die übliche Klammerschreibweise für Abbildungen verwendet, dann kann man das auch so schreiben:

γ(β(α((67))))=(63)

Es wird also γ nach β nach α ausgeführt. Die Gesamtabbildung γ nach β nach α beschreibt man in der Form γβα. Es gilt also:

(67)γβα(63)

Aus der Übersicht oben entnimmt man, dass man die Abbildung γβα algebraisch so beschreiben kann:

γβα:(x1x2)=(0110)[(x1x2)+(45)]+(45)

Verkettung von Abbildungen

Wir legen die im Beispiel oben bereits verwendeten Begriffe und Symbole jetzt präzise fest.

Verkettung von Abbildungen

Die Verkettung von zwei geometrischen Abbildungen α und β beschreibt das Hintereinanderausführen der beiden Abbildungen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

erst α dann β bzw. β nach α. Diese Abbildung beschreibt man in der Form βα.

erst β dann α bzw. α nach β. Diese Abbildung beschreibt man in der Form αβ.

Beispiel

Betrachte die beiden folgenden Abbildungen:

α: Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden

β: Drehung um 90° um den Ursprung

Durch eine Verkettung der Abbildungen erhält man:

βα: Drehung um 90° um den Ursprung nach Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden

αβ: Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden nach Drehung um 90° um den Ursprung

Verkettung von linearen Abbildungen

Wenn man die Verkettung βα: Drehung um 90° um den Ursprung nach Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden durchführt, dann sieht es so aus, als entspräche das einer Spiegelung an der y-Achse.

Teilabbildung 1Teilabbildung 2Vergleichsabbildung
Schritt 1Schritt 2Schritt 2
Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden Drehung um 90° um den Ursprung Spiegelung an der y-Achse
α:(x1x2)=(0110)(x1x2) β:(x1x2)=(0110)(x1x2) γ:(x1x2)=(1001)(x1x2)

Stimmt das auch – nicht nur für die im Bild gezeigte Figur? Das kann man algebraisch überprüfen. Hierzu nutzen wir die algebraischen Beschreibungen der beiden Teilabbildungen.

(x1x2)α(0110)(x1x2)β(0110)[(0110)(x1x2)]

Mit dem Assoziativgesetz für die Matrixmultiplikation erhält man:

(0110)[(0110)(x1x2)]=[(0110)(0110)](x1x2)=(1001)(x1x2)

Es gilt also:

βα:(x1x2)=(1001)(x1x2)

Die Verkettung βα entspricht somit genau einer Spiegelung an der y-Achse.

Analog kann man zeigen, dass die umgekehrte Verkettung αβ einer Spiegelung an der x-Achse entspricht.

Teilabbildung 1Teilabbildung 2Vergleichsabbildung
Schritt 1Schritt 1Schritt 2
Drehung um 90° um den Ursprung Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden Spiegelung an der x-Achse
β:(x1x2)=(0110)(x1x2) α:(x1x2)=(0110)(x1x2) γ:(x1x2)=(1001)(x1x2)

Die Betrachtungen lassen sich verallgemeinern:

Verkettung linearer Abbildungen

Für die Verkettung βα von zwei linearen Abbildungen α:x=Ax und β:x=Bx gilt:

βα:x=B(Ax)=(BA)x

Die Verkettung βα ist somit ebenfalls eine lineare Abbildung. Die Abbildungsmatrix erhält man durch eine Multiplikation der Abbildungsmatrizen der beiden Teilabbildungen.

Beachte: Die Verkettung von (linearen) Abbildungen ist nicht kommutativ.

Gegenbeispiel

Betrachte die beiden folgenden Abbildungen:

α: Spiegelung an der 1. Winkelhalbierenden

β: Drehung um 90° um den Ursprung

Durch eine Verkettung der Abbildungen erhält man:

βα: Spiegelung an der y-Achse

αβ: Spiegelung an der x-Achse

Verkettung von affinen Abbildungen

Wie wirkt sich eine Verkettung bei affinen Abbildungen aus? In dr folgenden Übersicht wird das an einem einfachen Beispiel demonstriert.

Teilabbildung 1Teilabbildung 2Vergleichsabbildung
Schritt 1Schritt 2Schritt 2
Spiegelung an der Geraden x=2 Spiegelung an der Geraden x=5 Verschiebung um 6 nach rechts
α:(x1x2)=(1001)(x1x2)+(40) β:(x1x2)=(1001)(x1x2)+(100) γ:(x1x2)=(x1x2)+(60) bzw.
γ:(x1x2)=(1001)(x1x2)+(60)

Es sieht so aus, als ob die Verkettung von zwei Spiegelungen hier zu einer Verschiebung führt. Das lässt sich recherisch überprüfen.

(x1x2)α(1001)(x1x2)+(40)β(1001)[(1001)(x1x2)+(40)]+(100)

Mit dem Distributivgesetz und dem Assoziativgesetz für die Matrixmultiplikation erhält man:

(1001)[(1001)(x1x2)+(40)]+(100)=(1001)[(1001)(x1x2)]+(1001)(40)+(100)=[(1001)(1001)](x1x2)+(1001)(40)+(100)=(1001)(x1x2)+(40)+(100)=(1001)(x1x2)+(60)=(x1x2)+(60)

Es gilt also:

βα:(x1x2)=(1001)(x1x2)+(60)=(x1x2)+(60)

Die Verkettung βα entspricht somit genau einer Verschiebung in x-Richtung.

Auch hier lassen sich die Betrachtungen verallgemeinern:

Verkettung affiner Abbildungen

Für die Verkettung βα von zwei affinen Abbildungen α:x=Ax+v und β:x=Bx+w gilt:

βα:x=B(Ax+v)+w=(BA)Abbildungsmatrixx+(Bv+w)Verschiebevektor

Die Verkettung βα ist somit ebenfalls eine affine Abbildung.

Beachte: Die Verkettung von (affinen) Abbildungen ist nicht kommutativ.

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